Stille spielt eine wesentliche Rolle in der Japanischen Klang-Ästhetik. Im Konzept von Zeit und Raum, dem „Ma“, ist dies formuliert. “Ma” kann Momente der Stille in der Musik oder Pausen im Ablauf eines Ritus oder einer Aufführung bedeuten.
Dieses berühmte Haiku von Basho (1643-94) ist das beste Beispiel für das japanische Konzept von Klang und Stille. In diesen wenigen Worten liegt der visuelle Eindruck eines alten Teiches, die absichtslose Aktion eines Frosches und das Geräusch des Wassers, das die Stille durchbricht. Das japanische Feingefühl empfindet das visuelle, kinesthetische und das Klang-Phänomen als ästhetische Ganzheit. Im Zen gibt es Nicht-Dualität und die sich immer erneuernde Natur von scheinbar gegensätzlichen Entwürfen wie Klang und Stille. Die Worte von Hisamatsu: „Ein Meister lebt Leere und wirkt Form.” (Ein Meister lebt im Nichts und verwirklicht die Regeln) Hisamatsu 1823
Abstand und Stille zwischen Atemphrasen, Tönen, die auf einem Atem gespielt werden, repräsentieren “Ma” im Honkyoku. Man hat sogar vermutet, dass Momente der Stille wichtiger seien als Momente des Klangs. Dies kann man auch in anderen Künsten sehen, z.B. in den monochromen Tuschzeichnungen des Sumi-e, wo die Plazierung der rein weissen Räume wesentlich ist. Ich schreibe über die Momente von “Ma” als “Atempausen”. Sie sind nicht messbar sondern gefühlte Erfahrung. Im Folgenden bringe ich einige Vorschläge wie du deinen Sinn für “Ma” kultivieren kannst. Sie gründen sich auf meinen eigenen persönlichen Weg. Um zur Essenz eines Honkyoku zu gelangen, hängt oft davon ab, wie gut du deine “Atempausen” gemeistert hast. Probiere zunächst diese verschiedenen “Atempausen” aus:
Höre auf den Klang, den dein Atem beim Atemholen macht. Ist er geräuschvoll oder ruhig? Abwechslung ist die Würze des Lebens! Die verschiedenen Arten des Einatmens können Farbe in deine “Atempausen” bringen. Woran denkst du während jeder Atempause? Das ist eine Scherzfrage, denn dein Geist sollte leer sein!
Der nächste Schritt geht über das Gerade-genug-Luft-haben um die Atemphrase zu beenden hinaus. Er eröffnet viele verschiedene Arten von Ro-buki und erweitert damit deine Möglichkeiten zu atmen und die Kontrolle darüber. Einige der effektivsten Atempausen entstehen, wenn nicht eingeatmet wird. Du hast genug Luft aufgenommen für zwei kurze Atemphrasen und pausierst nur des Effektes wegen und um den Einatem zu erwarten. Versuche deinen Atem nach dem Einatem für einen Moment anzuhalten und beginne zu einem nicht vorhersagbaren Zeitpunkt. Genieße es am Ende einer Atemphrase die restliche Luft rauszublasen vor einem plötzlichen Einatem und beginne den nächsten Teil. Die Möglichkeiten sind endlos. Wie du eine Atemphrase beendest und die nächste beginnst, ist wesentlich für die Gestaltung deiner Atempause. Hörst du mit einem Meri, Suri-agi oder Ori auf? Kommt die nächste Atemphrase aus dem Nichts oder bricht sie herein? Ein Ton kann dahinschwinden, sodass die Grenze, an der eine Atemphrase endet und die Atempause beginnt, mehrdeutig ist.
Dies ist erst der Beginn eines langen Weges. Versuche jede Atemphrase anders zu beginnen und zu beenden und gestalte jede Atempause einzigartig. Länge und Klangvolumen der Atemphrasen wird variieren wie die Atempausen.Du wirst Offenbarungen in einem Honkyoku erfahren, die du bei einem weiteren Spiel wieder ablehnst. Genieße das Pfeiffen oder die Luft-Geräusche die gezielt oder zufällig entstehen. Spiele mit dem sich verwirrenden Fingersatz, kippe in die Oktave oder seltsame Töne, dass sie Teil der Aufführung werden! Wenn du denkst, du hättest die Erleuchtung gefunden, wirst du bald merken, dass noch weitere Herausforderungen bewältigt werden müssen.Sei wie Basho's Frosch: Springe ins Unbekannte dass es plantscht!